Feind abgeschossen / Fröhliche Traurigkeit
FEINDFLUG:
Die Chemnitzer Industrialcombo FEINDFLUG ist nicht unumstritten: Mit provokanten militaristischen Outfits und Samples wandern sie zum Teil auf recht schmalem Grat. Für den oberflächlichen Betrachter mag es scheinen, dass sie dabei mitunter die Grenze des guten Geschmacks in die rechte Richtung überschritten haben. Wer etwas näher hinsieht bzw. hört, merkt jedoch schnell, dass sie - ähnlich der jugoslawischen Formation Laibach - durch Überspitzung und Provokation anprangern. Rechtes Gedankengut jedenfalls weist die Band von sich, und tut das auch in CD-Booklets explizit kund.
Die angetretene Live-Formation jedenfalls erinnerte leicht an eine Afrika Bambata Trommelgruppe: Vier (!) Livedrummer (und ein Gitarrist) sorgten für urwaldähnliche Klangkulisse, welche die harten elektronischen Tracks auf interessante Weise untermalte. Ich möchte auch nicht wissen, wieviel Nebelpatronen während des Gigs verschossen wurden: Eine weiße, von Stroboskopen auf Daueranschlag durchblitzte Wand hüllte zumindest die ersten Reihen komplett ein. Das einzige, was sich schwarz davon abhob, war das auf der Bühne stationierte Flakgeschütz.
Der ganze Auftritt war super energetisch und zugleich erscheckend: Die militarischen Outfits, der tarnbenetzte Bühnenaufbau, die brachialen Tracks und nicht zuletzt ein Drummer mit Marschtrommel, der wild herummarschierte und mit manischem Blick Stöcke und Trommel schwang, erzeugten echtes Beklemmungsgefühl: FEINDFLUG haben ihr Ziel an diesem Abend erreicht.
VNV NATION:
Britains finest Dark Synthiepoppers brachten den Sonnabend zu einem gelungenen Abschluss. Sänger Ronan Harris hüpfte wie ein Flummi von links nach rechts über die Bühne, ständig den Draht zum Publikum anheizend und schwer in die Linse zu bekommen. Besonders markant war die folgende seiner Ansagen: "Los Leute, macht Party! Habt ihr gute Laune? Oder glaubt ihr, das geht nicht, weil wir schwarz sind? So ein Blödsinn!"
Diese Art von Stimmungsmache ist zwar förderlich für einen Live-Gig, steht allerdings in krassem Widerspruch zu den sehr nachdenklich bis traurigen Lyrics der Band, weshalb mir dieses Paradoxon jedes Mal ein Schmunzeln abringt.
Coworker und Livedrummer Mark Jackson sang und brüllte aus voller Kehle mit und war kaum zu bremsen hinter seinem Drumset: Man hatte das Gefühl, er würde jeden Moment dahinter hervorspringen.
Wozu die zwei ebenfalls anwesenden, bandfremden Synthie-Statisten da sein sollten (außer ab und zu Tracks abfahren) erschloss sich mir nicht, zur Stimmung trugen sie jedenfalls nichts bei und verharrten fast apathisch hinter den Tasten.
Komischerweise hörten VNV NATION bereits 7 Minuten vor offiziellem Ende ihres Zeitslots auf und verschwanden ohne jegliche Art von Zugabe mit einer kurzen Tour- und Albumankündigung hinter die Bühne – eigentlich so gar nicht ihre Art.
Alle Fotos © Alex "dark lx" Lorenz
www.wavegotiktreffen.de
Autor: Alex Lorenz